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Klinikfinanzierung in NRW

Kliniken: Geld ungleich verteilt

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Nordrhein-Westfalen ist Stauland. Aber nicht nur Autofahrer verzweifeln täglich an den Versäumnissen der Vergangenheit, auch die Kliniken im Land leiden unter den vielen Sparbeschlüssen. Seit Jahren beklagen sie einen erheblichen Investitionsstau. Das Problem scheint erkannt, jetzt nimmt das Land NRW zusätzliches Geld in die Hand.

Wie so oft im Leben wird es höchst ungleich verteilt. Sechs Unikliniken dürfen sich über zwei Milliarden Euro freuen. Die übrigen 370 Krankenhäuser im Land müssen sich 530 Millionen teilen. Auch wenn es in diesem Jahr noch einen Nachschlag von einer Viertel­milliarde geben soll, bleibt ein großes Ungleichgewicht.

Am Universitätsklinikum in Münster wird es schon ziemlich kompliziert, vor lauter Gerüsten und Absperrungen überhaupt noch Material anzuliefern. Trotzdem meldete die Klinikleitung kürzlich Bedarf für ­weitere 400 Millionen Euro an - weil man unter anderem für die medizinische Versorgung auf dem Lande zuständig sei.

Spätestens da verrückt das Bild vollständig. Die Versorgung auf dem Land sichern die 58 katholischen Kliniken im nordrhein-westfälischen Teil des Bistums Münster, die jährlich 600.000 Patient(inn)en versorgen. Zudem sind viele von ihnen als akademische Lehrkrankenhäuser in der Medizinerausbildung eingebunden und sie übernehmen ganz überwiegend die Ausbildung der Pflegemitarbeitenden.

Bedarf an Renovierung und Ausbau haben nicht nur Unikliniken

In die Unikliniken massiv zu investieren ist grundsätzlich richtig. Aber Bedarf an Renovierung und Ausbau gibt es nicht nur dort. Gute Medizin braucht auch in den übrigen Krankenhäusern gute Bedingungen. Die ist in manchen Häusern inzwischen gefährdet. Den Investitionsstau allein in den acht weiteren Kliniken in der Stadt Münster beziffert das RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsförderung auf 332 Millionen Euro.

Deswegen muss gelten: Gleiches Geld für alle, orientiert am tatsächlichen Bedarf im jeweiligen Krankenhaus und nicht danach entschieden, ob das Land selbst Träger ist oder die Kirche. Die Unikliniken stehen für Spitzenmedizin und Lehre, für die gesundheitliche Versorgung aber die vielen Krankenhäuser in der ­Fläche. Und Spitzenmedizin bieten viele von ihnen in ­spezialisierten Disziplinen obendrein.

In Nordrhein-Westfalen mag das Problem angesichts seiner Bevölkerungsdichte eine andere Dimen­sion haben. Grundsätzlich gibt es bundesweit viel aufzuholen im Gesundheitssystem.


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