neue caritas kommentar

20 Jahre Tafelbewegung

Kein Grund zum Feiern

Im Jahr 2013 gibt es sie bereits seit zwanzig Jahren: die sogenannten Tafeln in Deutschland. Ist dies ein Grund zu feiern? Ich meine, leider nicht. Damit soll keineswegs das Engagement der Tafeln geschmälert werden. Im Gegenteil: Mehr als 50.000 Ehrenamtliche bundesweit ­leisten dort engagiert ihren Dienst, weil sie die Not von Menschen wahrnehmen und etwas zur Linderung dieser Not beitragen wollen. Und dafür verdienen sie großen Respekt und unsere Wertschätzung.

Aus meiner Sicht sind die Tafeln ein sichtbarer Ausdruck dafür, dass in unserem Land etwas gehörig schiefläuft. Die rasante Entwicklung der Tafeln bundesweit zeigt, dass es unserer Gesellschaft, der Politik und auch den Wohlfahrtsverbänden nicht gelungen ist, Armut ­wirkungsvoll zu bekämpfen. Das ehrenamtliche Engagement schließt letztlich die Lücken einer unzureichenden sozialstaatlichen Sicherung. Mit der Folge, dass sich die Tafeln notgedrungen etabliert haben und zu einer gesellschaftlichen Normalität geworden sind - und nicht mehr hinterfragt wird, was die eigentlichen Ursachen ihrer Existenz sind.

Mit dieser Normalität will sich der Caritasverband für die Diözese Limburg nicht abfinden und ist deshalb Mitglied im Kritischen ­Aktionsbündnis "Armgespeist. 20 Jahre Tafeln sind genug!"  (www.aktionsbuendnis20.de) geworden. Das Aktionsbündnis ergreift bewusst Partei für von Armut betroffene Menschen. Es sieht in den Tafeln einen Seismographen für gesellschaftliche Entwicklungen, die auch von einem kirchlichen Wohlfahrtsverband nicht akzeptiert werden können.

Es geht darum, dass es an sozialer Gerechtigkeit mangelt. Die Tafeln dokumentieren eine soziale Ausgrenzung, die auch viele Besucher und Nutzer der Tafel selbst so empfinden. Das Bündnis macht darauf aufmerksam, dass die derzeitigen Transferleistungen keine ausreichende soziokulturelle Teilhabe ermöglichen.

Die gegenwärtige Sozialpolitik ist nicht alternativlos. Um den Wachstumsprozess der Tafeln umzukehren, brauchen wir eine breite gesellschaftliche Diskussion über eine gerechtere Verteilung des Wohlstandes in unserem Land.

Wir sollten unser bisheriges gutes sozialpolitisches Lobbying fortführen und uns innerhalb der Caritas-Solidaritäts-Initiative noch stärker auf die Entwicklung von eigenen gesellschafts- und sozialpolitischen Konzepten fokussieren und diese vertreten.

Das Ziel muss letztlich sein, dass Tafeln nicht mehr zur Linderung von Armut gebraucht werden. Denn Tafeln lösen die Armutsfrage nicht.