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Familienzusammenführung

Ein Gebot der Humanität

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Wie geht es Familien, die durch die Flucht vor Krieg und Gewalt auseinandergerissen sind? Eine bedrängende Frage, die in der Öffentlichkeit zu selten gestellt und in der politischen Diskussion häufig instrumentalisiert wird. Dadurch gerät aus dem Blick, dass geflüchtete Familien sich nach wie vor in einer humanitären Notlage befinden, auch wenn ein Teil von ihnen im sicheren Deutschland ist. Das meist lang­wierige Visumverfahren führt oft zu einer psychisch extrem belastenden Lebenssituation. Die Trennung von der Familie erschwert zudem die Integration in Deutschland. Das gilt für Erwachsene und besonders für Kinder und Jugendliche, die monate- und teilweise jahrelang auf ein Wiedersehen mit ihren Eltern und Geschwistern warten. Deshalb sind endlich schnellere Lösungen nötig, damit geflüchtete Menschen ihren Anspruch auf Familienzusammenführung verwirklichen und sicher nach Deutschland reisen können. Dazu müssen beispielsweise die deutschen Auslandsvertretungen und das Unterstützungsprogramm der Internationalen Organisation für Migration (IOM) personell noch stärker ausgestattet werden.

Es ist schlicht ein Gebot der Humanität, durch Flucht getrennte Familien wieder zusammenzubringen. Derzeit etwa können viele Geflüchtete von Syrien aus nicht mehr in die Türkei einreisen, um dort den Botschaftstermin wahrzunehmen. Damit wird das ganze Verfahren gestoppt, da keine andere Auslandsvertretung mehr in erreichbarer Nähe ist. Hinzu kommen lange Wartezeiten, bis die deutschen Auslandsvertretungen überhaupt ein Visum erteilen. Für subsidiär Schutzberechtigte, also Menschen, die stichhaltig begründen können, dass ihnen in ihrem Heimatland ernsthaft Schaden droht, wurde der Nachzug 2016 sogar für zwei Jahre vollständig ausgesetzt. Wollen wir ein der Humanität und Solidarität verpflichtetes Gemeinwesen sein und bleiben, dann darf die Aussetzung des Familiennachzugs für diese Gruppe ab 2018 im Gesetz nicht mehr fortgeführt werden.

Auslandsvertretungen personell besser ausstatten

Häufig führen die Wartezeiten dazu, dass in der Zwischenzeit Kinder volljährig werden und sie somit laut Gesetz den Anspruch auf den Nachzug zu ihren Eltern verlieren. Eltern werden gezwungen, sich zu entscheiden: Bleibe ich oder nutze ich das Visum und bringe zumindest einen Teil meiner Familie in Sicherheit - dann lasse ich meine gerade volljährig gewordenen Kinder allein zurück. Vor einem solchen Dilemma müssen Familien, die vor Krieg, Gewalt und Verfolgung flüchten, mit schnelleren Bearbeitungszeiten bewahrt werden.

18.09.2017 | 04:12  
Ralf schreibt

Also leitende Caritas-Angestellte und Kirchenleute sind ja nicht negativ von Zuwanderung betroffen. Die wohnen schön abgeschottet in ihren eigenen Vierteln und müssen sich keine Sorgen vor Konkurrenz um Arbeitsplätze und Wohnungen machen. Da kann man ja ruhig Forderungen stellen, solange nur andere darunter leiden müssen.

18.09.2017 | 08:55
Silvia antwortet  

Hallo Ralf, das ist mit Verlaub eine völlig abwegige Behauptung. Warum sollten sich Caritas-Leute abschotten? Das klingt nach "Elite" und "weltfremd". Dabei sind es gerade die in der Caritas Tätigen, die jeden Tag mit Not, Elend und Verzweiflung zu tun haben und viel von dem mitbekommen, was Leute in schwierigen Lebenslagen bedrückt. und zu der Sorge mit der Konkurrenz: Tatsächlich ist es so, dass uns Leute fehlen, die sich zum Beispiel einbringen in Pflege und andere Berufe, in denen Fachleute fehlen.

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14.09.2017 | 15:16  
Herm.-Jos. Lobner schreibt

Ja, Frau Köhler, Herr Faber, Sie haben völlig Recht. Die Praxis der deutschen Behörden ist aber eine andere. Leider finde ich den Artikel in ProAsyl nicht mehr, in dem an zwei Beispielen beschrieben wurde, wie mit der Familie von "unbegleitet Minderjährigen" aus Syrien verfahren wurde. Die Botschaft in Beirut vergab an die Eltern Visa, verweigerte diese aber für kleinere Geschwister. Die Eltern wurden also vor die Wahl gestellt, bei den kleineren Kindern in Syrien zu bleiben und den größeren Sohn in der Bundesrepublik allein zu lassen, oder sich zu trennen, damit jeweils einer bei einem der Kinder war. Dieses Verfahren wurde zunächst von fünf Bundesländern von der Botschft verlangt, aber für allgemein geltend angeordnet kurz nachdem die Leitung des Ausßenministeriums gewechselt hatte.
Ich arbeite in der Flüchtlingsbetreuung und bin über Handlungen unserer Regierung und unserer Behörden manches Mal entsetzt.

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14.09.2017 | 11:58  
Petra Köhler schreibt

Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland:
Artikel 6 Absatz 1
Ehe und FAMILIE stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung.
Damit ist alles gesagt. Muss man über Gesetze und SELBSTVERSTÄNDLICHKEIT diskutieren?

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13.09.2017 | 15:44  
Wolfgang Faber schreibt

wenn ich mir unser Grundgesetz ansehe, dass den besonderen Schutz der Familie fordert oder auch die Kinderrechtskonvention müsste dies eine Selbstverständlichkeit sein.

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13.09.2017 | 15:26  
Hermann-Josef Lobner schreibt

Darüber hinaus: Minderjährige, die die Zusammenführung mit Eltern und jüngeren Geschwistern beantragen, erleben, dass die deutsche Botschaft zwar ihren Eltern ein Visum erteilt, den jüngeren Geschwistern aber nicht. Das hafen zunächst nur 5 Bundesländer so gehandhabt, nachdem Herr 'Gabriel Aussenminister wurde, bekamen die Botschaften aber generell diese Anweisung.
Die "Willkommenskultur" hat sich im vorauseilenden Gehorsam gegenüber den rechten Strömngen in eine Abgrenzungs- und Abschreckungskultur gewandelt.

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