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Stromsperren sind tabu

Hand am HerdStromsperren müssen tabu sein, denn sie eine Grundversorgung mit Strom gehört zum Existenzminimum eines Menschen.(c) Maksim Kostenko - Fotolia

Im Jahr 2014 ist die Zahl der Stromsperren auf knapp 352.000 gestiegen. Ein wesentlicher Grund dafür, dass die Stromrechnung gerade von Grundsicherungsempfängern nicht mehr bezahlt werden kann, liegt auf der Hand: Das Budget im Regelbedarf für Strom ist zu knapp bemessen.

Dies bestätigt auch die  Untersuchung des Deutschen Caritasverbandes (DCV) von einkommensarmen Haushalten, die im Projekt Stromspar-Check PLUS beraten worden sind: Arbeitslosengeld-II-Empfänger(innen) bekommen aktuell 20 Prozent zu wenig für Strom. 

Die Grundsicherungsempfänger(innen) haben einen höheren Stromverbrauch, weil sie mangels oder wegen eingeschränkter Erwerbstätigkeit viel mehr Zeit zuhause verbringen. Und: Energiesparende Geräte können sie sich nicht leisten.

Der DCV setzt sich daher dafür ein, dass jede(r) Grundsicherungsempfänger(in) sich die Menge an Strom leisten kann, die ein(e) durchschnittliche(r) ALG-II-Empfänger(in) verbraucht. Das vom DCV errechnete Budget für Strom muss daher aktuell und in den kommenden Jahren jährlich in voller Höhe an den aktuellen Strompreis angeglichen werden.

Energieeffizienz: Jobcenter müssen höhere Mieten übernehmen

Doch mehr Geld für Strom alleine löst das Problem "Energiearmut" nicht. Das Wissen und die Ausstattung, um energie- und damit auch kostensparend sowie umweltgerecht leben zu können, muss auch Menschen mit wenig Geld zugänglich sein. Die Energiesparberatung, wie sie im Stromspar-Check PLUS erfolgreich durchgeführt wird, muss überall geleistet werden. Wünschenswert ist, dass auch die Mietwohnungen, in denen arme Menschen wohnen, energetisch saniert werden. Von den Energieeinsparungen profitiert auch das Jobcenter.

Und dennoch: Für arme Haushalte hat die Sanierung ein dickes Ende, wenn die Miete steigt und das Jobcenter sich weigert, die Mieterhöhungen zu übernehmen. Dann bleibt nur, umzuziehen in eine noch nicht sanierte Wohnung oder die Mieterhöhung aus dem knappen Regelbedarf zu finanzieren. Daher müssen die Jobcenter diese Mieterhöhungen, Folge einer umweltpolitisch erwünschten Energiepolitik, übernehmen. Und auch bei drohenden Stromsperren müssen alle Beteiligten gemeinsam sicherstellen, dass trotz Schulden der Strom weiter aus der Dose kommt – zumindest mit einem Prepaid-Zähler. Nur mit vielen kombinierten Maßnahmen wird es uns gelingen, diese Menschen buchstäblich aus dem Dunkeln wieder ans Licht zu holen.

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