Kommentar

Förderschule

Die Weichen sorgsam stellen

Junge blickt nachdenklich (c) Fotolia.com |  fresnel6Wer entscheidet, ob er auf einer Förderschule richtig ist?(c) Fotolia.com | fresnel6

Die Kriterien und Verfahren dafür variieren von Bundesland zu Bundesland. Das heißt: Wer in Mecklenburg-Vorpommern förderbedürftig ist, muss das in Rheinland-Pfalz nicht unbedingt sein. Neben diesen Unterschieden in den Schulgesetzen der Bundesländer gibt es noch weitere Ursachen. Dazu scheint auch das Zuweisungsverhalten der Schulämter bezüglich des Lernortes zu zählen: Mancherorts mögen die Weichen in die Förderschule leichter gestellt werden als anderswo. 

In vielen Fällen ist dies eine gelungene Lösung: Bei schwerer geistiger Behinderung oder starken Verhaltensauffälligkeiten bietet die Förderschule einen geschützten Raum für die weitere Entwicklung und Bildung. Aber fast die Hälfte aller Schüler an Förderschulen wird nicht in diesen Bereichen gefördert, sondern im Förderschwerpunkt "Lernen". Gerade bei Schülern mit diesem Förderbedarf ist bei der Entscheidung über den Lernort besondere Sorgfalt geboten. Denn die Caritas-Studie zu den Bildungschancen zeigt: In Gemeinden, in denen der Anteil der Schüler an Sonder- und Förderschulen einen Prozentpunkt höher liegt, steigt auch die Quote der Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss um knapp 0,6 Prozentpunkte.

Es braucht daher zweierlei: zum einen Augenmaß bei der Entscheidung, ob die Förderschule oder eine integrative Förderung an der Regelschule für das jeweilige Kind der bessere Weg ist. Und zum anderen eine bessere Durchlässigkeit der Systeme Förderschule einerseits und Hauptschule andererseits. Wenn das gelingt, führt auch die Förderschule nicht aufs Abstellgleis, sondern bietet den jungen Menschen mit dem Hauptschulabschluss ein Ticket in eine selbstbestimmte Zukunft.

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Ohne Hauptschulabschluss

Kein Abschluss, keine Perspektive

31.08.2016 | 20:50  
S.E. schreibt

Mir stehen die Haare zu Berge. Ich arbeite als Schulsozialarbeiterin seit über 5 Jahren an der Förderschule für Lernbehinderte. "Unsere" Kinder haben auf der "normalen" Schule keine Chance.Sie gehen dort unter. Zu langsam und ihre Herkunft können Sie nicht verleugnen. Denn das Hauptproblem für den Schulabbruch ist, daß die Kids aus Multi-Problem-Familien kommen. Das die Eltern nicht arbeiten,, zielos ihr Leben verbringen. Das sie ihre Kinder nicht motivieren, keine Hausaufgaben mit Ihnen machen, Ihnen nichts vorlesen und selten mit Ihnen reden. Das trifft auf 80 % der Schüler an meiner Schule zu. Inklusion vom Schreibtisch hört sich nett an. Die Realität sieht anders aus. Ganz anders! Wem helfen die Zahlen? Den Kinder jedenfalls die es betrifft nicht. Es gibt nicht das Elend wieder, welches sie schon erleben mussten und das ihre Chance schon von Geburt an gering war.

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