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So läuft‘s gut

Auf den politischen Willen kommt es an

Junge mit Sonnenbrille | Fotolia.com  | Major KordBildung darf für keinen Jugendlichen vom Zufall abhängen.(c) Fotolia.com | Major Kord

Darin waren sich die Fachleute einig, die der Deutsche Caritasverband im Frühjahr 2012 zu einer Expertenrunde zusammengeholt hat. Sie berichteten über ihre Erfahrungen in Kreisen und Städten, deren Quote der Jugendlichen ohne Hauptschulabschluss niedriger war, als aufgrund der sozioökonomischen Struktur und der Bundeslandzugehörigkeit zu erwarten gewesen wäre. Folgende Faktoren versprechen demnach Erfolg:

Politischer Wille

Wo es ein klares politisches Bekenntnis zur Förderung von jungen Menschen gibt, ist vieles möglich - auch wenn die sozioökonomischen Rahmenbedingungen nicht besonders gut sind. Es gibt Kreise und Städte, die sich zum Ziel gesetzt haben, die Quote der Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss vor Ort zu senken oder die Chancengerechtigkeit in der Bildung zu stärken. Andere bekennen sich zu sozialräumlicher Arbeit und Vernetzung, zur Stärkung der Jugendsozialarbeit oder der Förderung von Prävention. Treibende Kraft müssen nicht immer Politiker(innen) sein. In einigen Fällen übernahmen das andere Personen in Schulen oder Schulämtern. 

Kooperation 

Einzelmaßnahmen zur Förderung junger Menschen sind gut gemeint, haben aber oft keine nachhaltige Wirkung. Anders ist das in den erfolgreichen Kreisen. Dort kooperieren Schulamt, Jugendamt oder Rathaus miteinander und mit vielen anderen Akteuren. Es gibt eine Stelle, die die Vernetzung koordiniert und den regelmäßigen Austausch und die Netzwerkbildung der unterschiedlichen Akteure ermöglicht. Dazu gehören neben Stiftungen, Verbänden, Vereinen und der freien Wohlfahrtspflege auch Jobcenter, Unternehmen sowie Industrie- und Handelskammern.
Das eröffnet jungen Menschen neue Perspektiven, weil Wissen ausgetauscht wird, Förderangebote gemeinsam und passgenau entwickelt werden. Durch die Kooperation mit Unternehmen können oft Praktika vermittelt und zielgerichtetes Lernen angeregt werden.

Sozialraumorientierung 

Kooperationen sind besonders effektiv, wenn sie sich an einem definierten Sozialraum ausrichten. Im eigenen Ort oder Stadtviertel lassen sich viele Dinge bewegen, weil sich die Akteure kennen und das gegenseitige Vertrauen durch die Zusammenarbeit wächst. Von Vorteil ist, wenn die Strukturen durchlässig sind und es auch einen Austausch zwischen den Ebenen gibt. Problematisch ist, dass die Ausrichtung auf den Sozialraum oft mit dem Engagement einzelner Personen steht und fällt. Eine wichtige Rolle spielen beispielsweise Familienhilfezentren oder Jugendzentren, in denen viele Angebote der sozialen Arbeit gebündelt werden. 

Schulsozialarbeit 

In praktisch allen Kreisen und Städten gab es Schulsozialarbeit schon vor der Einführung des sogenannten Bildungs- und Teilhabepakets und der damit einhergehenden Förderung von Schulsozialarbeit. Diese wurde meistens in allen Hauptschulen angeboten, seit dem Bildungs- und Teilhabepaket zumeist aber auch an allen Grundschulen. Der Umfang der Schulsozialarbeit variierte zwischen 0,5 und 1,5 Stellen. Eine Stadt hält in sechs Brennpunktschulen je eine halbe Stelle zur psychologischen Beratung vor. 

Lernförderung 

Viele Städte und Kreise mit einer guten Schulabgänger-Quote beginnen mit der Förderung junger Menschen nicht erst in der Schule. Sie investieren in die frühkindliche Förderung in Kindertagesstätten, bieten eine Sprachförderung und unterstützen den Übergang in die Schule durch Heilpädagogik. In einer Stadt ist der Besuch eines Kindergartens kostenlos, was zu mehr Anmeldungen geführt hat. In einer anderen Stadt gibt es Projekte, die helfen sollen, dass mehr Kinder mit Migrationshintergrund eine Kindertageseinrichtung besuchen. Lernförderung gibt es häufig in der (offenen) Ganztagsschule; viele Kreise und Städte organisieren Nachhilfeunterricht und beziehen dabei Ehrenamtliche mit ein. Dies gilt auch für die spezielle Förderung von Schulkindern mit Migrationshintergrund.

Intensive Betreuung "gefährdeter" Schüler 

Außerdem gibt es in vielen erfolgreichen Kreisen und Städten spezielle Programme für Schulverweigerer und schulmüde Kinder und Jugendliche. Diese werden intensiv betreut und wieder an den Besuch des Unterrichts herangeführt. Instrumente können sein: Stabilisierung des (familiären) Umfelds, engmaschige Begleitung und aufsuchende Arbeit. Zum Teil gibt es Lernangebote außerhalb der Schule. 

Berufsorientierung 

Für die Berufsorientierung und die Begleitung der Jugendlichen auf dem Weg in den Arbeitsmarkt sind nicht nur die Schulen zuständig. Haupt- oder ehrenamtliche Personen sind Ansprechpartner und Begleiter der jungen Menschen. In einigen Städten und Kreisen existieren darüber hinaus Berufsorientierungskonzepte, die auch Praktika und Kooperationen von gewerblichen Anbietern mit Schulen beinhalten. Dadurch können die Schüler Berufe kennenlernen und ihre Interessen entdecken. 
Außerdem gibt es in einigen Städten und Kreisen eine Berufseinstiegsbegleitung. Dieses Programm der Bundesagentur für Arbeit unterstützt leistungsschwächere Schüler beim Erreichen eines Abschlusses und bereitet sie schon in der Schule auf den Übergang in den Beruf vor. Teilweise werden Praxisklassen angeboten, zu denen (längere) Praktika gehören. So erhalten die Jugendlichen Einblicke und Kontakte in die Arbeitswelt. 

Familien- und Elternarbeit 

Elternarbeit fängt in vielen der befragten Städte und Kreise sehr früh an. Einige berichten von Familienhebammen, die sich um junge Familien kümmern. Danach greift Elternarbeit in Kindertageseinrichtungen, Familienzentren und an den Schulen. Häufig versuchen die Schulen die Eltern mit einzubeziehen und diese in ihrer Rolle als Unterstützer der Bildung ihrer Kinder zu fördern.

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