Führen 4.0

Junge Führungskräfte der Caritas vernetzen sich

4.0: dieses Zahlenkürzel ist derzeit oft zu hören, wenn der Wandel thematisiert werden soll, den unsere Arbeitswelt und ihr gesellschaftlicher Kontext in den nächsten Jahren erleben werden. Dabei ist der Begriff als solches zunächst wenig aussagekräftig: Mit ihm wird auf die vierte industrielle Revolution Bezug genommen – auf die These also, dass nach der Umwälzung von Arbeit durch die Erfindung der Dampfmaschine (Industrie 1.0) und der fortschreitenden Automatisierung durch Fließband und Robotik (Industrie 2.0 und 3.0) wieder ein grundlegender Wandel im Gang ist.

Weil wir aktuell – wenn die These stimmt – noch mitten in diesem Veränderungsprozess stecken, lässt sich schwerlich abschließend definieren, was „4.0“ alles umfasst. Sicher scheint: Die Arbeit wird vernetzter digitaler und selbstorganisierter, sie findet immer mehr in der Kommunikation zwischen Mensch und Maschine und durch Nutzung riesiger Datenmengen statt. Sicher ist auch: Nicht nur Produktionswege und Geschäftsmodelle verändern sich, sondern die Art des Arbeitens selbst – auch in der Caritas.

Fachtag2017 Junge Führungskräfte - 002 - DSCF46982Vernetzen in kleinen ArbeitsgruppenJörg Kaiser

In der "Rushhour des Lebens"

Diejenigen, die diese Veränderungen zukünftig gestalten werden (müssen), sind vor allem Personen, die als junge Führungskräfte in der Caritas bereits heute Verantwortung tragen und perspektivisch weitere übernehmen werden. Sie sind gleichzeitig diejenigen, die schon heute andere Erwartungen an Arbeit stellen: Als Angehörige einer „Generation Y“ mitten in der „Rushhour des Lebens“ spielen für sie die flexible Vereinbarung von Verantwortung im Beruf und im Privaten sowie die Sinnhaftigkeit ihres beruflichen Handelns eine wichtige Rolle.

30 dieser jungen Führungskräfte trafen sich im Dezember 2017 in Weimar zur ersten Vernetzungstagung für junge Führungskräfte in der Caritas. Der Impuls zur Gründung eines solchen Netzwerks kam aus der Delegiertenversammlung des Deutschen Caritasverbands: Neben weiteren Beschlüssen zur Förderung der Geschlechtergerechtigkeit in der Caritas hatte der Verbandssouverän auch die Einrichtung eines Netzwerks vorgeschlagen, in dem sich junge Führungskräfte sowohl in gemischtgeschlechtlichen als auch gelegentlich geschlechtshomogenen Gruppen treffen.

Digitalisiert und geschlechtergerecht?

Im Fokus der Tagung standen daher die zwei personalpolitischen Megatrends Geschlechtergerechtigkeit und Digitalisierung, die die Arbeitsbedingungen der heute unter 40-Jährigen entscheidend prägen: Junge Frauen und Männer wollen heute deutlich stärker als früher Erwerbs- und Sorgearbeit miteinander vereinbaren, ohne sich von traditionellen Geschlechterrollen leiten zu lassen, stoßen dabei aber an organisatorische Grenzen. Gleichzeitig verändert die Digitalisierung rasant die Flexibilisierungschancen, aber auch die Verfügbarkeitserwartungen (nicht nur) in Führungspositionen.

 

In der Veranstaltungseinladung wurde daher gefragt: „Was treibt Sie als junge Führungskräfte in der Caritas um? Wie erleben Sie sich selbst als Führende und Geführte in Ihren Organisationen, auf welche (Arbeits-)Bedingungen treffen Sie, was wollen Sie gerne bewegen, wo rennen Sie offene Türen ein und wo stoßen Sie damit an Grenzen?“ Nach Impulsvorträgen von Dr. Maria Strobel (TU München) zu Gender und Diversity als Chancen für Organisationen und Prof. Helmut Kreidenweis über die Herausforderungen, die der digitale Wandel an Führungskräfte in der Caritas stellt, traten die Teilnehmenden mit den Referent(inn)en und miteinander in den Austausch.

Fachtag2017 Junge Führungskräfte - 013 - DSCF473113Viel Platz für Diskussion beim Fachtag in Weimar.                 Jörg Kaiser

Acht Thesen für die Weiterarbeit

Die Diskussion um die Veränderungen im Arbeiten und Führen in der Caritas unter dem Stichwort „4.0“ sollten nicht im Kreis der Teilnehmenden bleiben, sondern in der Caritas Resonanz finden: Diesem Ziel folgend entwickelten die jungen Führungskräfte acht Thesen, die auf der Caritas-Unternehmenstagung am 1. und 2. März 2018 in Fulda diskutiert werden.

  • Die Caritas als größter sozialer Arbeitgeber muss Verantwortung übernehmen für die Gestaltung einer geschlechtergerechten Arbeitswelt und Gesellschaft, denn unsere Gesellschaft ist immer noch geprägt von Stereotypen und Vorurteilen im Hinblick auf Geschlechterrollen.
  • Die Caritas beurteilt keine Lebensentwürfe, sondern lebt und arbeitet auf Grundlage einer gemeinsam geteilten und dialogisch entwickelten Wertebasis. Damit wertschätzt die Caritas den Bestand und die Entwicklung einer vielfältigen Gesellschaft und gestaltet sie mit.
  • Jeder Depp hat ‘ne App, nur die Caritas net.
  • Eine gemeinsame Caritas-IT ist strategischer Partner für smarte Entwicklungen und Lösungen.
  • In einer modernen Caritas brauchen Ausbildung, Qualifikation und Leitung ein Mentoring-System.
  • Die Generation Y braucht (Frei-)Räume, Ausstattung und Ressourcen, um Innovation zu fördern… sonst übernehmen Google, Amazon und Co den Markt.
  • Gute Führungskräfte nur mit flexiblem Tarifwerk, das sich an individuellen Lebensphasen orientiert.
  • Die Zukunftsperspektive der Caritas in Deutschland: Keine Zukunftsperspektive ohne strategische Personalentwicklung. Ohne Personalentwicklung keine Führungskräfte. Ohne Führungskräfte keine Caritas-Zukunftsperspektive.