Sozialcourage
Demografischer Wandel
Land im Koffer
Demografischer Wandel: Caritas Hagen will bei Kindern Verständnis für das Fremde fördern
Bei ihrer Weltreise entdeckten die Kinder auch auf der Landkarte ihr "Land im Koffer" Gerd Vieler
„Wir wollen, dass die Kinder das Fremde nicht als Bedrohung empfinden“, sagen Susanne Kaiser und Verena Jacob. Sie arbeiten beim Caritasverband Hagen und haben das Projekt „Land im Koffer“ ins Leben gerufen, bei dem Grundschulkindern in spielerischer Form die Angst vor dem Fremden genommen werden soll.
Warum eine solche Initiative notwendig ist, ergibt sich aus dem demografischen Wandel, der in Hagen deutlich sichtbar ist. In der alten Industriestadt am südöstlichen Rand des Ruhrgebietes führt der Caritas-Fachdienst für Integration und Migration jährlich eine Sozialraumanalyse durch. Sie lässt seit einiger Zeit Handlungsbedarf erkennen. So verliert Hagen seit den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts kontinuierlich Einwohner. Nach einem Höchststand im Jahr 1975 von rund 230 000 Personen wohnen in der Stadt derzeit rund 40 000 Menschen weniger. Prognosen sprechen bis 2020 von einem weiteren Rückgang um elf Prozent. Gleichzeitig prägt ein hoher Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund das Bild. Rund ein Drittel der Hagener Bevölkerung hat ausländische Wurzeln. Bei den Kindern und Jugendlichen fällt dies besonders auf. In einigen Stadtteilen erreicht ihr Anteil in dieser Altersgruppe Wert von 82 Prozent.
Projekt "Land im Koffer" des Caritasverbandes Hagen, v. l.: Susanne Kaiser, Verena Jacob. In ihrem Koffer die Utensilien für Reise in ferne Länder.Gerd Vieler
Um hierdurch entstehenden Reibungspunkten entgegenzuwirken, nutzt die Caritas ihr Betreuungsangebot an Ganztagsgrundschulen. Susanne Kaiser und Verena Jacob wollen in spielerischer Form bei den Kindern Angst vor dem Fremden abbauen und Neugier wecken. Als Beitrag der Integrationsagentur wurde 2011 das Projekt „Land im Koffer – Spielerisches Reisen mit Grundschulkindern in andere Kulturen“ ins Leben gerufen. Im Rahmen der Ganztagsbetreuung „verreisten“ die Kinder an fünf Nachmittagen jeweils 90 Minuten lang in ferne Kulturen. „Wir konnten Neugierde und Interesse bei den Kindern erreichen“, zieht Verena Jacob ein positives Resümee der „Reisen“. So ging es unter anderem nach Indien, Australien, Guinea und Kolumbien. In spielerischer Form erfuhren die Hagener Kinder, wie Kinder in diesen Ländern leben. Sie sollten morgens Wasser holen und auf dem Kopf balancieren, Spielzeug aus Müll basteln oder in Rollenspielen auch erleben, wie Kinder in anderen Ländern behandelt werden. Um eine nachhaltige Wirkung zu erzielen, konnten die Kinder selbst gebastelte kleine Erinnerungsstücke an die jeweiligen Länder mit nach Hause nehmen.
Seinen Namen erhielt das Projekt, das in Zukunft für Kindergärten und Vereine angeboten werden soll, von dem großen Reisekoffer, in dem Susanne Kaiser und Verena Jacob ihre Utensilien aus den verschiedenen Ländern mit zu den Kindern brachten.