Selbst erlebt
Überforderte Eltern
„Nächstes Mal hole ich früher Hilfe“
Neugeborene Zwillinge und ein Dreijähriger, der sein Recht fordert – als Mutter jeden Tag aufs Neue so einen Familienalltag zu organisieren, zehrte an den Kräften von Susanne Schmidt*. Eine Familienpatin sorgt heute für Entlastung. Doch nach dieser Unterstützung zu fragen, fiel der jungen Mutter zuerst sehr schwer.
Jetzt können sie alleine toben, am Anfang war das anders. DCV(KNA Harald Oppitz
"Meine Jungs sind sechs Wochen zur früh auf die Welt gekommen und mein Mann und ich haben erst einen Tag vorher erfahren, dass wir Zwillinge bekommen. Wir standen in den ersten Tagen nach der Geburt ganz schön neben uns. Da bekamen wir auf der Entbindungsstation Besuch von dem Caritas-Besuchsdienst "Hallo Baby". Eine Ehrenamtliche kam zu uns, verteilte kleine Geschenke und gab uns einen Flyer mit Informationen darüber, wohin Eltern sich wenden können, wenn es mal nicht so gut läuft. Ich fand das nett, habe den Flyer aber erst einmal weggepackt.
Nach ein paar Monaten merkte ich, dass das Leben mit den Babys mich an den Rand meiner Kräfte brachte. Ich habe ja noch einen dritten Sohn. Ich befürchtete, dass mein Großer ein bisschen zu kurz kommt wegen der Zwillinge. Mein Mann arbeitet im Schichtbetrieb, unsere Familien leben 500 Kilometer entfernt, die Freunde haben selber Kinder - es blieb mir nichts anderes übrig, als den Alltag mit den drei Jungs alleine zu organisieren. Dazu musste ich zum Beispiel Kopfstände machen, um den Großen zum Kindergarten zu bringen und ihn wieder abzuholen, denn die Säuglinge waren ja auch noch da.
Familienpatin brachte Entlastung
Ich habe in der Zeit sehr viel abgenommen und kam auch körperlich an meine Grenzen. Da fiel mir der Flyer von diesem Besuchsdienst wieder in die Hände und ich rief beim Netzwerk Frühe Hilfen der Bonner Caritas an, um zu fragen, ob sie dort einen Rat für mich hätten. Eine Beraterin besuchte mich und es tat sehr gut, mich bei ihr einfach mal über meine Situation aussprechen zu können.
Die Caritas hat mir dann eine ehrenamtliche Familienpatin vermittelt, eine sehr nette 52-jährige Frau, die uns nun einmal in der Woche nachmittags ein paar Stunden besucht und mit den Kindern spielt. Sie kommt für mich, sagt sie. Ich kann dann ungestört Dinge im Haushalt erledigen, mit meinem Großen alleine auf den Spielplatz gehen oder mich einfach mal mit einer Freundin auf einen Kaffee treffen. Das ist eine sehr große Entlastung und manchmal freue ich mich schon am Montag auf den Mittwoch, wenn die Familienpatin kommt.
Jeder kommt an Grenzen
Es ist mir anfangs sehr schwer gefallen, um Hilfe zu bitten. Ich habe immer gedacht: Ich bin ja die Mutter, ich bin zuhause, bekomme Elterngeld - ich muss das schaffen! Auch mein Mann war skeptisch. Mit der Familienpatin kam ja eine völlig Fremde ins Haus. Aber mit der Erfahrung von heute würde ich das nächste Mal viel früher um Unterstützung bitten. Früher habe ich einfach gedacht, ich muss da als junge Mutter alleine durch. Heute weiß ich, dass jeder eine Belastungsgrenze hat und es nicht schlimm ist, wenn man Hilfe braucht."
*Name von der Redaktion verändert
Zuletzt geändert am: 03.10.2011