Reportage
Finanzielle Hilfen
Kein Geld und auch noch schwanger
Das Geld ist sowieso knapp – und jetzt noch ein Baby? Das macht jungen Paaren Sorgen. Dabei gibt es viele finanzielle Hilfen für frischgebackene Eltern. Die Schwangerschaftsberaterinnen der Caritas und des SkF helfen durch den Antragsdschungel von staatlichen Stellen und Stiftungen. Mit ihrer Hilfe lassen sich viele Geldquellen finden.
Gerade Kinder und Mütter, die aus ihrer Heimat flüchten mussten, brauchen Schutz und Hilfe. DCV/KNA Harald Oppitz
Feromine* ist schwanger. Für die Frau aus Kamerun ist das ein Grund zur Freude und zur Sorge. Die 37-Jährige wurde in ihrer Heimat verfolgt und musste nach Deutschland fliehen. Sie hat kein Geld, keine Papiere und keine Krankenversicherung, eine deutsche Kirchengemeinde gewährt ihr Obdach und Schutz. Nicht einmal die Kosten für die Voruntersuchungen beim Gynäkologen kann sie aufbringen, geschweige denn, die für eine Geburt im Krankenhaus. Feromine wendet sich völlig verzweifelt an die Schwangerschaftsberatung der Caritas in Bonn.
Geld ist immer ein Thema
Die Finanzen spielen bei allen werdenden Eltern eine wichtige Rolle, auch wenn nicht alle solche Geldnöte haben wie die junge Frau aus Kamerun. Das Budget der Paare wird schon vor der Geburt belastet: Schwangerschaftsbekleidung ist teuer, ebenso die Grundausstattung des Kinderzimmers mit Wiege, Wickeltisch und Kinderwagen. Vor allem Paare, die wenig oder nichts verdienen, auf Hartz IV oder andere staatliche Hilfen angewiesen sind, brauchen schon in der Schwangerschaft erste Informationen, wie sie ihrem Kind einen guten Start ins Leben finanzieren können.
Die Schwangerschaftsberatung hilft Eltern mit Kindern bis drei Jahren dabei: "Wir beraten die Paare, welche Gelder ihnen zustehen, wo sie welche Beträge bekommen und welche Anträge sie ausfüllen müssen", erläutert Anita Zart-Schulz von der Esperanza-Schwangerschaftsberatungsstelle in Bonn. Ein Dauerthema, denn "wenn Finanzen in der Schwangerschaft schon ein Problem waren, dann zieht sich das durch die erste Jahre durch".
Hilfe im Behördendschungel
Es gibt viele finanzielle Hilfen von unterschiedlichen staatlichen Stellen für junge Eltern: vom Kindergeld bis zum Kinderzuschlag für Geringverdiener, über Wohngeld, Elterngeld, Unterhaltsvorschuss, Geld für die Babyerstausstattung. Doch für die meisten Schwangeren sind mit den Anträgen überfordert, die sie dafür ausfüllen müssen. "Das Geld steht einem zu - aber man weiß nicht, wie und wann man dran kommt", beschreibt es Anita Zart-Schulz.
In der Beratung geht sie mit den Paaren systematisch durch, welche Unterstützung ihnen zur Verfügung steht - und hilft, wenn es bei der Antragsstellung Probleme oder Missverständnisse mit den zuständigen Behörden gibt oder das bewilligte Geld nicht rasch überwiesen wird. "Ich frage auch, wie es zu den Geldproblemen des Paares kam und biete, wenn es gewünscht ist, eine weiterführende Hilfe wie den Kontakt zur Schuldnerberatung an", erzählt Zart-Schulz.Auch bei den Anträgen an Stiftungen wie die Bundesstiftung Mutter und Kind oder der Bischofsfonds für Mütter in Not hilft die Schwangerschaftsberatung.
Feromine, der Mutter aus Kamerun, halfen die Beraterinnen dabei, einen Teil der Entbindungskosten aus dem Bischofsfonds zu erhalten. Sie fanden über das Netzwerk Frühe Hilfen eine Organisation und ein Krankenhaus, das Menschen ohne Papiere kostenlos behandelt. Der gute Start ins Leben für Feromines Baby gelang.
* Name geändert
Zuletzt geändert am: 21.05.2012