Nachgefragt

Fremdenfeindlichkeit

Den Rechten offensiv entgegentreten

Mann auf dem Boden vor Springerstiefeln Rechtsextremismus beginnt nicht erst mit körperlicher Gewalt.Gina Sanders – Fotolia

Die Taten der Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) haben dafür gesorgt, dass Rechtsextremismus 
wieder im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses steht. Warum beschäftigt sich auch die Caritas mit diesem Thema?

Die Vorgänge um das rechtsterroristische Netzwerk sind schockierend und werfen viele Fragen auf – natürlich vor allem für die zuständigen Behörden. Doch der Rechtsextremismus allgemein darf niemanden kalt lassen. Auch die Caritas ist aufgrund ihres Selbstverständnisses gefordert, hier Stellung zu beziehen. Als Solidaritätsstifter setzt sie sich für ein friedliches Miteinander ein, das mit rechtsextremem Gedankengut unvereinbar ist. Daher muss die Caritas einer Ideologie, die sich etwa gegen Menschen mit Behinderung oder Migranten wendet, offensiv entgegentreten. 

Außerdem gibt es im rechtsextremen Spektrum in jüngster Zeit erschreckende Entwicklungen: Seit einigen Jahren bemühen sich die Rechtsextremisten in strukturschwachen Regionen um ein Kümmerer-Image – zum Beispiel mit kostenloser Sozialberatung oder Kinderfesten. Für die Caritas ist es alarmierend, wenn sich Hilfebedürftige über deren Angebote auf rechtsextreme Organisationen einlassen.

Einschlägige Organisationen treten vor allem in den neuen Bundesländern auf - ist Rechtsextremismus damit nicht vor allem eine Herausforderung für Caritasverbände in Ostdeutschland?
Tatsächlich sind rechtsextreme Organisationen etwa in Teilen Sachsens oder Mecklenburg-Vorpommerns vergleichsweise stark - trotzdem ist Rechtsextremismus kein Ost-Phänomen. Ob Aufmärsche in Bayern oder "Autonome Nationalisten" im Ruhrgebiet - ganz Deutschland ist hiervon betroffen. 
Zudem plädiere ich dafür, Rechtsextremismus nicht isoliert zu betrachten. Viele Studien zeigen, dass Rechtsextremismus die Spitze des Eisbergs darstellt und fremdenfeindliche Haltungen weit verbreitet sind. Wenn laut einer Untersuchung des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung an der Universität Bielefeld beispielsweise 24 Prozent der Deutschen fordern, "Ausländer in ihre Heimat zurückzuschicken, wenn die Arbeitsplätze knapp werden", zeigt dies die Verbindung von rechtsextremen Forderungen und gesellschaftlichem Mainstream. 
Einschlägige Organisationen bedienen diese Themen und versuchen, als Stimme einer stillen Mehrheit aufzutreten. Daher ist es wichtig, gegen diese Gruppen Position zu beziehen. Außerdem müssen aber auch verbreitete Formen von Ausgrenzung und Intoleranz als Teil des Problems erkannt werden. Dies ist eine Herausforderung für die Caritas in ganz Deutschland.

Wie kann sich ein Verband vor Ort engagieren?
Wenn einschlägige Organisationen aktiv sind oder rechtsaffine Jugendliche im Jugendclub auftauchen, muss gehandelt werden. Nicht alleine, sondern in Bündnissen - unterstützt von lokalen und überregionalen Beratungsstrukturen. Demonstrationen und öffentlichkeitswirksame Aktionen sind eine Option. Speziell im Fall junger Menschen muss zudem aber gemeinsam mit Experten geprüft werden, ob Angebote für einzelne Jugendliche sinnvoll sind. Nicht immer handelt es sich nämlich um überzeugte Neonazis, auch jugendtypischer Protest oder Perspektivlosigkeit kann zum Einstieg in die Szene führen. 
Ebenso wichtig ist es allerdings, selbst die Initiative zu ergreifen. So kann man bereits im Vorfeld aktiv für Respekt und Demokratie eintreten und Menschen damit gegen rechtsextreme Parolen stark machen. Viele Einrichtungen berichten etwa von zunehmenden Konflikten zwischen Jugendlichen unterschiedlicher Herkunft – hier sind verschiedene Ansätze denkbar. Speziell für Jugendliche gibt es aus dem Bereich der Caritas interessante Projekte.

Mit dem Projekt möchte der Deutsche Caritasverband lokales Engagement unterstützen. Worin besteht Ihre Aufgabe und wer kann sich an Sie wenden?
Da wirksame Aktionen nur vor Ort stattfinden können, unterstützt das Projektbüro interessierte (Fach-)Verbände, Dienste und Einrichtungen der Caritas. Wir stellen Informationen oder Materialien aus dem Themenspektrum Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit, Demokratie und Respekt zur Verfügung. Über aktuelle Entwicklungen, erfolgreiche Projekte oder Ausschreibungen informieren wir regelmäßig in unserem Newsletter. (Wenn Sie Interesse an unserem Newsletter haben, senden Sie uns eine E-Mail an Raphael.Bolay@caritas.de.)
Außerdem leistet das Projektbüro Unterstützung bei der Durchführung von (Fortbildungs )Veranstaltungen oder der Umsetzung von Projektideen zur Förderung von Respekt und Demokratie. Auf diese Weise wollen wir dazu beitragen, im gesamten Verband ein Problembewusstsein zu entwickeln. Daneben freuen wir uns über Erfahrungsberichte aus dem Verband sowie Anregungen und Vorschläge.

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Gut zu wissen

Begriffsklärung

Was ist Rechtsextremismus?

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Rechtsextremismus

Rechtsextremismus geht Caritas etwas an

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Vernetzung stärkt die Abwehrkräfte

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Rechtsextremismus beginnt in den Köpfen