Caritas Kampagne 2007

Etwa 6-jähriges Mädchen mit, vom Wind zerzausten halblangen, brauenen Haaren, steht mit ernstem und entschlossenem Gesichtsausdruck zum Betrachter, vor einer öden Hochhaussiedlung. Auf ihrem Kopf trägt sie eine goldfarbene Prinzessinenkrone, ihre Arme hat sie vor sich verschränkt und in der rechten Hand hält sie den dazugeöhrigen sternförmigen Zepter.


Vor einer alten Baracke steht ein kleiner blonder Junge im Supermannkostüm.Er schaut direkt zum Betrachter und streckt seine geballte linke Faust noch oben. In der rechten Hand hält er sein Kuscheltier, ein brauner Drache, fest. Er presst entschlossen seine Lippen zusammen.


Ein kleiner Schuljunge mit dunklerer Haut steht in einem Batmankostüm vor einer Hochhaussiedlung. Sein schwarzer Umhang bedeckt den in den Hüften aufgestützten rechten Arm. Der Linke ist mit ebenfalls aufgestützer Faust jedoch gut sichtbar. Der Junge blickt den Betrachter direkt an. Seinen linken Mundwinkel  zieht er dabei leicht nach oben.


Ein etwa 7 Jähriger dunkelhaariger Junge steht mit beiden Armen in seinen Hüften aufgestützt vor alten Garagentoren. Er trägt ein Muskelshirt mit einem großen Spiderman-Aufdruck. Durch seine weiße Haut fallen die vor Anstrengung geröteten Backen und sein ernster, den Betrachter durchdringenden Blick, in den Vordergrund.


 
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Lesen Sie in einem Artikel von Dr. Thomas Broch, was hinter der Kampagne steckt:
Mach dich stark für starke Kinder  (70 Kilo Byte)

 
Kampagnen  

Mach dich stark für starke Kinder

Die Caritas will mit der Befähigung junger Menschen einen Dienst an ihrer Menschenwürde leisten.

Der Name der Rütli-Schule in Berlin-Neukölln ist zu einem Symbol geworden. Hilflose und überforderte Lehrer dieser Schule, in der die Kinder und Jugendlichen aus Familien mit Migrationshintergrund einen Anteil von 80 Prozent ausmachen, hatten im Frühjahr 2006 einen öffentlichen Hilferuf an den zuständigen Senator gerichtet, weil die Respektlosigkeit, der Motivationsmangel, die Gewaltbereitschaft ihrer Schülerinnen und Schüler ein Ausmaß erreicht hatte, dem sie sich nicht mehr gewachsen sahen. Weit über den konkreten Anlass und über die Grenzen Berlins hinaus weist dieses Alarmsignal aber auf ein erschreckendes Phänomen unserer Gesellschaft hin. Man nimmt es nicht wahr, wenn man darin nur ein Symptom misslungener Ausländerintegration sieht und dieser mit polizeilichen oder ausländerrechtlichen Maßnahmen zu begegnen versucht. Gewiss: die jungen Araber und Türken im Neukölln sind die verlorenen Kinder einer verlorenen Elterngeneration - heimatlos und entwurzelt bei uns. Aber das Problem reicht viel weiter. Eine große Zahl dieser Kinder und Jugendlichen kommt aus Milieus an den sozialen Rändern - und dies betrifft Einheimische ebenso wie Familien mit Migrationshintergrund -, die ihre Möglichkeiten von Anfang an minimieren. Sie sehen einer Zukunft in einer Gesellschaft entgegen, die ihnen kaum Chancen bereit hält, die sie oft nur als lästige Probleme und nicht als Zukunftspotenzial sieht, in das zu investieren sich lohnt, und die sie bisweilen am liebsten los wäre.

Vielfältige Ursachen

Es wäre zu einfach, die Probleme an den Schulen, an den Hauptschulen zumal, auf einige wenige Ursachen zu reduzieren. Aber - ohne hier eine zwingende Kausalität behaupten zu wollen - es kann nicht ohne Folgen bleiben, wenn eine erschreckend hohe Zahl von Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren mit ihren Familien auf Sozialhilfeniveau lebt - ob die Zahl nach Angaben des Kinderschutzbundes bei 2,2 Millionen oder nach anderen Berechnungen "nur" bei 1,7 Millionen liegt, ändert wenig an der Dramatik. 15 Prozent eines Jahrgangs haben keinen Ausbildungsabschluss (bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund liegt der Anteil bei 33 Prozent), neun Prozent (19 Prozent) gehen gar ohne Abschluss von der Schule; und über 15 Prozent der jungen Menschen zwischen 15 und 24 Jahren sind arbeitslos - dies sind weitere Alarmsignale.1 Eine langjährige einseitige Orientierung der Schul- und Bildungspolitik an der Begabtenförderung mag dabei mitspielen, auch strukturelle Probleme wie zu geringe Lehrerzahlen und zu starke Klassengrößen. Die PISA-Studien haben deutlich gemacht, dass das Schulsystem in Deutschland gerade für Kinder und Jugendliche nicht integrierend, sondern desintegrierend wirkt - für junge Menschen aus Migrantenfamilien zumal. Sicher muss man - in jedem einzelnen Fall - auch persönliche und familiäre Belastungen der jungen Menschen sehen. Und man tut ihnen Unrecht, sie pauschal zu inkriminieren. Mit Recht wehren sie sich dagegen. Und der Voyerismus mancher Medien trägt auch nicht zu einer Lösung der Probleme bei. 2

Autor: Dr. Thomas Broch


Auszug aus: Caritas 2007. Jahrbuch des Deutschen Caritasverbandes. Hrsg.: Deutscher Caritasverband, 2006.

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1 Die aktuellen Daten zur Jugendarbeitslosigkeit entstammen einer Pressemeldung des Statistischen Bundesamtes Wiesbaden vom 10. August 2006.

2 Vgl. dazu den Beitrag "Manchmal tickt eben einer aus." Vier Berliner Jugendliche sprechen über die alltägliche Gewalt an ihren Schulen, gestresste Lehrer, private Probleme und den Voyerismus der Medien, in: Süddeutsche Zeitung, Nr. 153, 6. Juli 2006, Seite 9.


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