Diözesan-Caritasverband Paderborn, 19.03.2009

Wahlprüfsteine mal anders

Ehrenamtliche der Caritas-Konferenzen konfrontieren Politik mit Erfahrungen aus der Praxis

Wahlprüfsteine mal anders: Nicht mit wissenschaftlich belegten Zahlen und Fakten möchten die rund 20.000 Ehrenamtlichen der Caritas-Konferenzen im Erzbistum Paderborn (CKD) mit Politikern und Wählern ins Gespräch kommen, sondern mit Erfahrungen aus der praktischen caritativen Arbeit vor Ort. Ob hungrige Kinder, vereinsamte Senioren, von Zuzahlungen belastete Pflegebedürftige oder aber auch vom Steuerrecht benachteiligte Ehrenamtliche im sozialen Bereich – die freiwilligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Kirchengemeinden und caritativen Einrichtungen werfen mit ihren markanten Zitaten ein Schlaglicht auf die soziale Lage im Land. „Zu uns kommen Kinder und Jugendliche, die hier zum ersten Mal die Erfahrung machen: Es ist genug Essen da, alle können satt werden“, berichten z. B. die Mitarbeiterinnen des Mittagstisches der Caritas-Konferenz in Löhne (Kreis Herford). Aus dem sauerländischen Bruchhausen berichten die Ehrenamtlichen der CKD: „In unserem Dorf leben immer mehr alte Menschen alleine. Der öffentliche Nahverkehr wird ausgedünnt und so kommen sie nicht mehr zum Arzt, zur Apotheke und können auch nicht an kulturellen Angeboten teilnehmen. Unser Seniorentreff ist der einzige Ort gegen Einsamkeit.“

Hautnah bekommen die CKD-Mitarbeiterinnen mit, was es heißt, mit Arbeitslosengeld II zu leben: „Bei einem Leben mit ALG II oder mit Grundsicherung darf nicht die Waschmaschine oder der Herd kaputtgehen. Auch dürfen Kinder nicht wachsen und neue Schuhe benötigen. Eine Heizkostennachzahlung frisst das halbe Monatseinkommen auf. In den letzten zwei Jahren haben sich unsere finanziellen Unterstützungen in solchen Situationen mehr als verdreifacht“, berichtet die Caritas-Konferenz aus Wilnsdorf-Neunkirchen im Siegerland. In Schloss Holte-Stukenbrock beobachten Caritas-Ehrenamtliche, wie ARGE und Sozialamt Hilfe Suchende zunächst an den Warenkorb, ein Lebensmittelprojekt der Caritas verweisen. „Da werden Rechtsansprüche verweigert! Das ist ein Skandal.“

Bewusst verzichten diese Wahlprüfsteine darauf, Forderungen zu erheben. Die CKD formuliert stattdessen im Anschluss an die Zitate konkrete Fragen an Politiker. Dabei wird nicht unterschieden, ob die „Antwort“ Sache des Bundes, der Kommune oder der Europa-Ebene ist. Zu der Praxis der Kommunen, Hilfesuchende zunächst an Lebensmittelprojekte der Wohlfahrtsverbände zu verweisen, wird z. B. gefragt: „Wie wollen Sie die Lebenssituation armer Menschen verbessern, um diese Projekte überflüssig zu machen?“ Oder zum Bereich ALG II: „Setzen Sie sich für die Wiedereinführung einmaliger Beihilfen ein?“

Die Wahlprüfsteine sollen nicht nur das Gespräch mit der Politik beflügeln. Sie können auch genutzt werden, um die Diskussion innerhalb der Pfarrgemeinde oder im Lebensraum anzuregen. Kontakt und Bezug: Caritas-Konferenzen im Erzbistum Paderborn e.V., Uhlenstr. 7, 33098 Paderborn, Tel 05251 209-280, Mail ckd@caritas-paderborn.de

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