Wahlprüfsteine mal anders
Ehrenamtliche der Caritas-Konferenzen konfrontieren Politik mit Erfahrungen aus der Praxis
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Wahlprüfsteine mal anders: Nicht mit wissenschaftlich
belegten Zahlen und Fakten möchten die rund 20.000 Ehrenamtlichen der
Caritas-Konferenzen im Erzbistum Paderborn (CKD) mit Politikern und Wählern ins
Gespräch kommen, sondern mit Erfahrungen aus der praktischen caritativen Arbeit
vor Ort. Ob hungrige Kinder, vereinsamte Senioren, von Zuzahlungen belastete
Pflegebedürftige oder aber auch vom Steuerrecht benachteiligte Ehrenamtliche im
sozialen Bereich – die freiwilligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in
Kirchengemeinden und caritativen Einrichtungen werfen mit ihren markanten
Zitaten ein Schlaglicht auf die soziale Lage im Land. „Zu uns kommen Kinder und
Jugendliche, die hier zum ersten Mal die Erfahrung machen: Es ist genug Essen
da, alle können satt werden“, berichten z. B. die Mitarbeiterinnen des
Mittagstisches der Caritas-Konferenz in Löhne (Kreis Herford). Aus dem
sauerländischen Bruchhausen berichten die Ehrenamtlichen der CKD: „In unserem
Dorf leben immer mehr alte Menschen alleine. Der öffentliche Nahverkehr wird
ausgedünnt und so kommen sie nicht mehr zum Arzt, zur Apotheke und können auch
nicht an kulturellen Angeboten teilnehmen. Unser Seniorentreff ist der einzige
Ort gegen Einsamkeit.“
Hautnah bekommen die CKD-Mitarbeiterinnen mit, was es heißt, mit
Arbeitslosengeld II zu leben: „Bei einem Leben mit ALG II oder mit
Grundsicherung darf nicht die Waschmaschine oder der Herd kaputtgehen. Auch
dürfen Kinder nicht wachsen und neue Schuhe benötigen. Eine
Heizkostennachzahlung frisst das halbe Monatseinkommen auf. In den letzten zwei
Jahren haben sich unsere finanziellen Unterstützungen in solchen Situationen
mehr als verdreifacht“, berichtet die Caritas-Konferenz aus
Wilnsdorf-Neunkirchen im Siegerland. In Schloss Holte-Stukenbrock beobachten
Caritas-Ehrenamtliche, wie ARGE und Sozialamt Hilfe Suchende zunächst an den
Warenkorb, ein Lebensmittelprojekt der Caritas verweisen. „Da werden
Rechtsansprüche verweigert! Das ist ein Skandal.“
Bewusst verzichten diese Wahlprüfsteine darauf, Forderungen zu erheben. Die CKD
formuliert stattdessen im Anschluss an die Zitate konkrete Fragen an Politiker.
Dabei wird nicht unterschieden, ob die „Antwort“ Sache des Bundes, der Kommune
oder der Europa-Ebene ist. Zu der Praxis der Kommunen, Hilfesuchende zunächst
an Lebensmittelprojekte der Wohlfahrtsverbände zu verweisen, wird z. B.
gefragt: „Wie wollen Sie die Lebenssituation armer Menschen verbessern, um
diese Projekte überflüssig zu machen?“ Oder zum Bereich ALG II: „Setzen Sie
sich für die Wiedereinführung einmaliger Beihilfen ein?“
Die Wahlprüfsteine sollen nicht nur das Gespräch mit der Politik beflügeln. Sie
können auch genutzt werden, um die Diskussion innerhalb der Pfarrgemeinde oder
im Lebensraum anzuregen. Kontakt und Bezug: Caritas-Konferenzen im Erzbistum
Paderborn e.V., Uhlenstr. 7, 33098 Paderborn, Tel 05251 209-280, Mail
ckd@caritas-paderborn.de
